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Schreiben- so banal und so heilsam

Bereits im Jugendalter hatte ich immer wieder Phasen, in denen ich Tagebuch geschrieben habe. Ich bin froh, dass ich alle meine Tagebücher aufgehoben habe. Wenn ich sie heute zur Hand nehme, dann realisiere ich, dass ich mir schon damals mit 19, 20 Jahren vieles von der Seele schrieb. Schreiben hat für mich einen unglaublich entlastenden Effekt. Und seitdem ich im Sommer 2015 an einem Schreibseminar teilnahm, habe ich mir fest vorgenommen, am Ball zu bleiben und regelmäßig zu Papier und Stift zu greifen. (Hm, da scheint´s eine Verbindung zu diesem Blog zu geben… 😉 )

Google spuckte mir gerade zum Thema „Tagebuch schreiben“ einen Artikel von 2014 im Focus aus, mit der Überschrift „Warum ein Tagebuch der Gesundheit hilft“, in dem es heißt:

„Natürlich wissen wir, dass das Sprechen oder Schreiben über Belastendes guttut. Doch dafür müssen wir unsere Scham überwinden, vertrauen. Oft haben wir Sorge, andere Menschen zu sehr zu belasten, bewertet zu werden, oder durch das ständige Wiederholen zu nerven. In einer Welt, in der alle glücklich sein wollen und sollen ist es schwer, traurig, verletzt oder verzweifelt zu sein. […] Stattdessen sagen wir „ich muss damit allein klarkommen“ oder „das mache ich mit mir aus“, und im Ergebnis grübeln wir, drehen uns gedanklich im Kreis, bleiben bei Zweifeln, Selbstvorwürfen oder Unverständnis stehen. […] Wenn wir etwas aussprechen oder schreiben, bekommt es eine Struktur und dadurch Verständnis, Akzeptanz und Lösungsmöglichkeiten. Die Emotionen werden besser verarbeitet. Neue Informationen werden integriert und die belastenden Ereignisse dadurch relativiert.“

Nicht, dass ich den Focus für sonderlich repräsentativ halte… jedoch bringen diese Aussagen doch sehr treffend auf den Punkt, was auch meine Erfahrung ist: schreiben tut einfach gut! Daher möchte ich dich dazu motivieren, mal wieder zu schreiben. Ich vermute, auch du hast es hin und wieder schon getan, vielleicht in besonders kritischen Lebensphasen, um deine Gedanken zu ordnen. Doch das Niederschreiben der eigenen Gedanken ist nicht nur in Krisenzeiten gut. Gerade in Phasen, in denen du dich stabil fühlst, können hier ganz andere Potenziale von dir zutage treten und deinen Entwicklungsprozess positiv voranbringen. Es zentriert dich und kann einen geradezu meditativen Zustand hervorrufen.

Ich möchte dir eine Schreibübung empfehlen, die du vielleicht schon kennst, weil sie mittlerweile sehr beliebt ist. Sie ist angelehnt an die Schreibtechnik der sog. „Morgenseiten“ von Julia Cameron. Ich habe sie schon oft empfohlen und werde es auch weiterhin tun, weil ich sie so hilfreich und effektiv finde – und so simpel! Wenn du sie kennst, möchte ich sie dir gerne in Erinnerung rufen (und mir auch..).

Diese Übung lautet: Nimm dir jeden Tag ca. eine halbe Stunde Zeit und schreibe alles auf, was dir in den Sinn kommt.

Das war es auch schon. Ohne weitere Vorgaben, was du schreiben sollst. Du brauchst dir auch kein Thema zu überlegen. Schreib einfach drauf los. Oft werden das so ca. 3 Din A 4 Seiten sein, die du in dieser Zeit füllst, aber das ist nur ein Richtwert. Mal mehr mal weniger. Mehr sollte es aber auch nicht sein. Es geht um Kontinuität, also so oft wie möglich, idealerweise täglich.

Meine Erfahrung ist, dass gerade an Tagen, an denen du denkst (und das wird oft der Fall sein): „Also heute weiß ich definitiv NICHT, was ich schreiben soll!“, die Inhalte, die dann auf dem Papier erscheinen, oftmals eine ganz andere Qualität haben und voller tiefgreifender Erkenntnisse sein können.  Als wenn sich nun eine unbewusstere Ebene zeigen kann, weil du eben nicht den Kopf voller alltäglicher Gedanken über Ereignisse hast, über die du geplant hast zu schreiben.

Es macht Sinn, sich eine bestimmte Tageszeit zu reservieren und dann dabei zu bleiben. Nur so wird sich eine Routine einstellen und du musst dich nicht täglich aufs Neue entscheiden, ob du es machst oder nicht. Das kann nach dem Aufstehen sein oder am Abend. Überleg dir, zu welcher Zeit du dich gut konzentrieren kannst. Der Ort sollte so gewählt sein, dass du ungestört bist und dich wohl fühlst. Zu Hause, im Café, im Park auf einer Bank…Das Medium, was du wählst soll dir Spaß machen. Du kannst dir eine schöne Kladde kaufen und einen Stift, der sich angenehm anfühlt und der flüssig schreibt. Viele genießen es, dieses haptische Gefühl, nach langer Zeit mal wieder mit Papier und Tinte umzugehen. Oder du bevorzugst das Laptop. Es gibt ausgeklügelte Apps zu diesem Thema. Aber manchmal sind solche Überlegungen nur hinderlich und du nimmst einfach einen Zettel und fängst an. Hauptsache, du schreibst.

Nenne es dein Tagebuch, Diary, Journal oder Loseblattsammlung. Ganz egal. Und? Hast du schon Lust bekommen, in den nächsten Schreibwarenladen zu schlendern? Ich sags nochmal: Zu schreiben, wenn du denkst, du hast eigentlich nichts zu sagen – nichts Geplantes im Kopf, was du jetzt aufschreiben willst – das sind machmal genau die Momente, wo du hinterher denkst, „wow!“, wenn du liest, was du da grad an Ideen zu Papier gebracht hast….Schreib-Flow halt! 🙂

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Published inAllgemeinPsyche

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